Euwe Centennial Tourney, 2001 (NED)








Remis (7 + 5)


bana01s1
Marcin Banaszek,    2. Preis
Euwe Centennial Tourney, 2001

Schwarz hat einen Materialvorteil und gute Chancen auf einen Angriff gegen den weißen König durch 1...Ta3+ oder 1...Lg1. Auch weitere Nachteile von Weiß sind offensichtlich: passiver Läufer a8, blockierter Bauer c6 und eingeschränkte Zugmöglichkeiten von Turm c7 sowie Bauer g7.
1.Tf7
Ein starker Zug, der die weiße Batterie L/B aktiviert und die wichtigen Punkte f2 und f8 unter Kontrolle nimmt. In diesem Zug kann man auch ein anderes verstecktes Motiv entdecken, und zwar ein Vorausopfer, das nach dem 5. Zug von Weiß als ein passives Turmopfer auftritt. 1.La5? verliert nach Ta3 2.Kb6 Lxc7+ 3.Kxc7 Tg8.
1...Lg1
Schwarz baut eine Gegenbatterie L/T auf, in der Hoffnung auf Abzugschach und Mattangriff. Gegen sofortiges 1...Ta3+ rettet sich Weiß durch ein Läuferopfer: 2.Kb6! Txa8 3.Tf8 Txf8 4.gf8D Sd7+ 5.cd7 Txf8 6.Lh4 mit Remis.
Jetzt hat Weiß zwei gleichwertige Fortsetzungen zur Auswahl: entweder mittels 2.c7+ die Batterie L/B spielen zu lassen und zum Schluß den Bauer g7 zu opfern oder umgekehrt, zunächst durch 2.g8D+ den Bauer g7 zu opfern und erst dann das Spiel von der Batterie L/B anzutreiben. Richtig ist die erste Fortsetzung:
2.c7+!
Die zweite Möglichkeit bildet eine thematische Verführung: 2.g8D+? Txg8 3.c7+ Tf3+ 4.Lf2 Lxf2+ 5.e3 Lxe3+ 6.Kb7 mit der Idee 6...Txf7 patt; aber Schwarz hat eine starke Widerlegung: 6...Sc6! 7.Txf3 Sa5+ 8.Ka6 Txa8+ mit klarem Sieg. Die beiden Fortsetzungen stellen ein Dualvermeindung-Thema dar. Der andere Versuch, einen Turm zu opfern: 2.Tf2+? scheitert an 2...Kh3! 3.c7 Te7! 4.Lg2+ Kg3 5.Ka8 Sc6+ 6.Kb7 Lxf2 7.Lxf2+ Kxf2 und Schwarz gewinnt.
2...Tf3+ Mit Absicht fesselt Schwarz den eigenen Turm, um nach dessen baldiger Entfesselung, das geplante Abzugschach mit Mattfortsetzung zu realisieren.
3.Lf2!
Eine Vorbereitungskombination, hier ein reines Figurenopfer, um eine Pattstellung zu erreichen. Falsch wäre sofort 3.e3? Lxe3+ 4.Kb7 Txf7 5.g8D+ Txg8 und kein Patt. Die Idee von Schwarz, Matt zu setzen, hätte sich nach 3.Kb7? Tb3+ 4.Lb4 Txb4# verwirklicht.
3...Lxf2+
Schwarz ist gezwungen das Opfer anzunehmen.
4.e3!
Ein neues Opfer, aber nicht nur um zu einer Pattstellung zu kommen, sondern auch zwecks einer Linienschließung, der Linie f3-a3, für den Turm f3. Zur Schließung wird der schwarzen Läufer auf das Feld e3 herangezogen. Sonst nach 4.Kb7? folgt wieder Tb3#.
4.Lxe3+
Ansonsten verliert Schwarz.
5.Kb7
Der weiße König sperrt den eigenen Läufer, gleichzeitig entfesselt er den schwarzen Turm, aber jetzt gibt es keine Mattdrohung von Schwarz mehr. Im Gegenteil, dem Schwarzen groht 2.cb8D oder 2.cd8D. Deswegen muß er das nächste weiße Opfer annehmen, wodurch der gefährliche Bauer c7 gefesselt wird.
5...Txf7
Hier bringt die starke Antwort auf die Verführung (2.g8D+?) 5...Sc6 dem Schwarzen keinen Erfolg. Nach 6.cd8D verliert er.
6.g8D+
Das vierte und letzte weiße Opfer, was zum endgültigen Aufbau einer Pattstellung führt.
6...Txg8 patt.
Ein Modellmatt mit gesperrtem weißen Läufer und gefesseltem weißen Bauern.

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