Gewinn 6+3
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Marcin Banaszek
Tidskrift för Schack 1994
Preis
FIDE Album 1992-94 D18
Die materielle Überlegenheit von Weiß sollte ihm eigentlich einen leichten Gewinn bringen.
Die Stellung hat jedoch für Weiß einige positionelle Nachteile: eine nicht allzu günstige Lage der
weißen Figuren und Bauern (Springer f2 in Gefahr, isolierter Bauer d6, doppelte Bauern auf der h-Linie,
abgeschnittener Weißer König) und die Notwendigkeit des Tempoverlustes, weil Weiß den Bauern a2
schlagen muß.
1.d7!
Der Versuch, sofort den a-Bauern zu schlagen, führt nicht zum Ziel:
1.L:a2?
T:f2
2.d7
Td2
3.Le6
T:d7!
4.L:d7
Kg8
und Remis wegen eines "falschen Läufers"! Der richtige Plan für Weiß ist zuerst den schwarzen
König von der "guten Ecke" h8 abzulenken.
1...Ke7
Natürlich nicht 1...a1D? und 2.d8D matt.
1...T:h2+
führt mit einer Zugumstellung zur Hauptvariante
2.Kg6
Tg2+
3.Sg4!
T:g4+
4.Kh5!
Ke7
5.L:a2
Td4 (oder
5...Tg1
6.Le6!
Th1+
7.Kg5+- )
6.h7+-
etc. Jetzt ist Weiß schon gezwungen, den a-Bauern zu schlagen.
2.L:a2
T:h2+
Nach 2...T:f2 3.h4 hat Schwarz keine Möglichkeit das Umwandlungsfeld h8 unter Kontrolle zu nehmen und
verliert schnell, z.B. 3...T:a2 4.d8D+ K:d8 5.h7+- oder 3...K:d7 4.h7 Tf8 5.Lg8+-; wenn 2...K:d7 dann 3.h7 T:h2+
4.Kg6 oder 3.Sg4 T:a2 4.h7 mit Gewinn.
3.Kg6!
Weiß muß präzise spielen. Durch einen scheinbar logischen Zug
3.Kg5?
um das Turmschach mit dem Springer auf g4 abzuwehren, erreicht Weiß nicht mehr als Unentschieden, z.B.
3...T:f2
4.Le6 (4.h7 Th2 5.Kg6 T:h7=)
Tf8!
5.Lg4 (5.h7 K:e6=)
Tg8+ (oder 5...Th8 6.Kg6 Tg8+ 7.Kh5 Th8=)
6.Kh5
Th8
7.Lf5 (7.Lh3 Kf6 8.Lg4 Ke7=)
Tf8
8.Kg6
Tg8+
9.Kh5 (9.Kh7 Tg1=)
Tf8=
3...Tg2+
Jetzt bringt
3...T:f2
für Schwarz keinen Erfolg mehr, da der weiße König sich näher am wichtigen Feld h8 befindet,
z.B.
4.Le6
Tf8 (4...Tf6+ 5.Kg7! T:e6 6.h7 Te1 7.d8D+ K:d8 8.h8D+-)
5.Kg7! (5.Lh3? Tg8+ 6.Kh7 Tg1=)
Tf1
6.h7
Tg1+
7.Kh6
Th1+
8.Kg6+- und weiter wie in der Hauptvariante.
4.Sg4!!
Das effektvolle Springeropfer lenkt den schwarzen Turm auf das Feld g4 hin und erlaubt dem weißen
König den Turm anzugreifen. Dadurch gewinnt Weiß ein wichtiges Tempo, um dem h-Bauern einen Vormarsch
zu ermöglichen. Ein Fehler wäre
4.Kh7?
T:f2
5.Le6
Tg2!= oder 4.Kh5? Tg1 5.Le6 Tg2=.
4...T:g4+
Nach 4...K:d7 gewinnt sowohl 5.Kf7 T:a2 6.h7 Ta8 7.Sf6+ Kc6 8.Sg8 Ta7+ 9.Se7+ als auch 5.Kf5 T:a2 6.h7 Ta8
7.Sf6+ Ke7 8.Sg8+-
5.Kh5!
Die Rückkehr des weißen Königs zur Ausgangsstelle! Nach 5.Kh7? Tg1 kann der weiße
König nicht mehr ins Spiel zurückkehren ohne den d-Bauern zu verlieren und es folgt Remis. Nach 5.Kf5?
opfert Schwarz den Turm für zwei Bauern: 5...Th4 6.Kg5 T:h6! 7.K:h6 K:d7, was auch Remis bringt. Die Hinlenkung
des schwarzen Turmes hat sich gelohnt. Schwarz muß Zeit verlieren, um den Turm wegzuziehen, und Weiß kann
seinen h-Bauern vorrücken. Zum Glück ist die achte Reihe für den schwarzen Turm nicht erreichbar.
5...Td4
Andere Fortsetzungen verlieren auch:
5...Tg2
6.Le6!
Td2 (6...Th2+ 7.Kg5 Tg2+ 8.Lg4 Th2 9.Kg6 Tg2 10.h7! und weiter
wie in der Hauptvariante)
7.h7
Th2+ (7...Ke6 8.Kg4+-)
8.Kg6
Tg2+
9.Lg4
T:g4+
10.Kh5 mit Gewinn;
5...Tf4
6.h7
Tf8
7.Lg8
Tf2
8.Le6! etc. auch mit Gewinn.
6.h7
Mit dem Zug 5...Td4 stellte Schwarz eine Falle hin. Spielt jetzt Weiß
6.Le6? mit der Idee nach 6...K:e6? 7.h7 Td1 8.Kg5 zu gewinnen,
würde der Gewinn nach
6...Kf6! aus der Hand gegeben.
6...Td1
Mit dem Plan das Feld h8 indirekt zu kontrollieren. Der Zug 6...Td2 führt zu ähnlichen Varianten.
7.Le6!
Das zweite Figurenopfer! Mit der Idee, den schwarzen König vom Feld d8 abzulenken.
7...Th1+
Nach der Annahme des Opfers
7...K:e6 entsteht eine interessante Variante:
8.Kg4! Der König muß aus der h-Linie weggehen und sich
gleichzeitig dem schwarzen Turm nähern, aber nicht über die f-Linie! Falsch wäre 8.Kg5? Tg1+
9.Kh4 K:d7=, 9.Kf4 Tf1+ 10.Kg5 Tf8= und 9.Kg6? Tg1+ 9.Kh6 K:d7=;
8...Tg1+
9.Kh3!
Th1+ oder 9...K:d7 10.Kh2!+-
10.Kg2
T:h7
11.d8D+-
8.Kg6
Tg1+
Nach 8...Th2 gewinnt 9.Lg4 und 9.Lf5.
9.Lg4!!
Weiß opfert die nächste Figur, diesmal den Läufer, auf demselben Feld g4 (Echo-Opfer!), mit
gleichem Motiv den schwarzen Turm hinzulenken und ihn mit dem König anzugreifen. Dadurch muß Schwarz
wieder ein Tempo verlieren, um mit dem Turm wegzugehen (die achte Reihe ist wieder unzugänglich!) und Weiß
kann mit dem h-Bauern den Vormarsch zur Dame, dieses mal entgültig, verwirklichen. Und das alles natürlich
mit der richtigen Präzision, mit unerläßlichen Zwischenschachgeboten im Finale. Falsch wäre
9.Kh6?
Th1+
10.Kg7?
Tg1+
11.Kh8
Tg3 mit Remis.
9...T:g4+
10.Kh5!
Wiederholte Rückkehr des weißen Königs zum Ausgangsfeld!
11...Tg1
11.d8D+
K:d8
12.h8D+ und Weiß gewinnt.
Kampf um die Umwandlung eines Bauern, Echo-Opfer auf demselben Feld.
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